Manchmal fügt ein kurzer Ausdruck im Gesicht unseren Worten eine zweite Botschaft hinzu.
Diese Mikroexpression zeigt, ob wir lügen oder nicht.
Ein Angebot. Zwei Signale.
„Ich biete Ihnen ein Grundgehalt von 1.700 Euro, was sagen Sie?“
Über das Gesicht des Bewerbers huscht kurz, aber deutlich erkennbar die Mikroexpression der Überraschung. Er antwortet:
„Das ist genau das, was ich mir erwartet habe.“
Mit was auch gerechnet wurde, „erwartet“ wurde das nicht.
Und jetzt?
Überrascht. Aber worüber?
Mikroexpressionen können wir nicht steuern, sie „passieren“ uns. Sie vermitteln unsere wahren Gefühle. Spannend werden sie, wenn wir ihre unverfälschte Bedeutung dem Gesagten gegenüberstellen. Stimmen Wort und mimischer Gefühlsblitz überein oder ergibt sich eine Gegensätzlichkeit? Dann wurde wohl – gelogen.
Am Beispiel sehen wir: Die Aussage hat sehr wohl überrascht. Die Antwort war also gelogen. Was wir nicht erfahren, ist: War das Angebot überraschend hoch oder überraschend niedrig? Die beobachtete Basisemotion erklärt uns die Unstimmigkeit, nicht aber den Grund dafür.
Wir erkennen wahre Emotionen. Wir erkennen aber niemals das Warum.
Aus „Körpersprache – Der emotionale Booster unserer kommunikativen Wirkung“ von Otto Walter Ebenbichler · Exkurs I, Kapitel 4, Seiten 38–41 · Für diesen Seitenentwurf redaktionell gekürzt und aufbereitet.